Seilgrundlagen

Ein Seil ist ein aus zusammengedrehten oder geflochtenen Natur- oder Kunstfasern bestehendes längliches, biegeschlaffes, elastisches Element. Es wird meist zur Übertragung von Zugkräften, aber auch zu einer Vielzahl anderer Zwecke genutzt. In den aus mehreren – im Querschnitt kleineren – Kordeln bestehenden Seilen verbinden sich Festigkeit und Flexibilität zu einer faszinierenden Einheit.

Seile wurden früher vom Reepschläger per Hand auf Seilerbahnen, auch Reeperbahnen genannt, gedreht. Heutzutage erfolgt die Herstellung maschinell mittels Seilschlagmaschinen. Sie tragen diesen Namen, weil man das Verdrillen auch schlagen nennt, um es vom Flechten zu unterscheiden. Historisch wurde das Drehen der einzelnen Seilstränge mit einer Warbel vorgenommen.

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Begriffe

In einem Seil werden einzelne Garne zu Litzen verzwirnt, die schlussendlich zu einem Seil geschlagen werden. Die Garne können entweder aus einzelnen Fasern bestehen (single-ply) oder aus dünneren Garnen bereits verzwirnt sein (multy-ply). Wenn die Garne aus mehreren Einzelgarnen bestehen, die nicht verdreht sind spricht man von einem gefachten Garn. Die Feinheit eines Garns wird in Tex (g pro km) angegeben.

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Schlagrichtung

Die Schlagrichtung gibt an, in welche Richtung die einzelnen Litzen gedreht und das Seil schließlich geschlagen wird. Für die Litzen werden Kleinbuchstaben und für das Seil Großbuchstaben verwendet. Bei einem sZ Seil zum Beispiel werden die Litzen in S Richtung gedreht und dann anschließend in Z Richtung verseilt. Entgegen weitläufiger Irrtümer hat die Schlagrichtung alleine keinerlei Einflüsse auf die Leichtläufigkeit des Seils, lediglich der Buchstabe S ist runder als Z.

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Schlaglänge

Die Schlaglänge ist bestimmt durch die Ganghöhe einer einzelnen Litze. Eine größere Schlaglänge bewirkt ein weicheres leichteres Seil und erhöht die Bruchlast, veringert jedoch die Eigenstabilität und Biegefestigkeit.

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Durchmesser

Auch wenn man im ersten Moment vielleicht meinen könnte, dass der Durchmesser eines Seils etwas sehr einfach zu Bestimmendes ist, gibt es hier doch einige Tücken. Ein Seil ist leider nicht komplett zylindrisch sondern hat Erhebungen und Vertiefungen. Je nachdem in welchem Winkel gemessen wird, ändert sich der gemessene Durchmesser. Auch ist der Durchmesser abhängig vom Anpressdruck des Messwerkzeugs. Industrielle Seile werden außerdem in einem belasteten Zustand gemessen, haben also einen größeren tatsächlichen Durchmesser als angegeben.

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Endenversäuberung

Damit die Seile sich am Ende nicht aufdröseln können müssen diese abgeschlossen werden. Es gibt hierfür unzählige Möglichkeiten, wobei die einfachsten Schrumpfschlauch oder Klebeband sind. Wer das aus ästhetischen Gründen nicht möchte kann einen Stopperknoten verwenden. Häufig findet man hier den Überhandknoten oder Thistle Knot. Da der Überhandknoten sehr dick aufträgt und so beim Durchziehen hängen bleiben kann, verwende ich eine kleine Abwandlung, bei der das Seil erst in die Litzen aufgedröselt wird bevor der Knoten geknüpft wird. Für Rigger, die gerne die kleinstmögliche Verdickung haben bietet sich ein Takling an.